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Gedenkandacht 2018

am Sonntag, 18. November 2018 um 14:00 Uhr
in der Evangelischen Kirche in Freyung

 

Für die Verstorbenen,
die wir auf ihrem letzten Lebensweg begleitet haben
sowie für alle, die um einen lieben Menschen trauern.

 

Der Seelenvogel

Tief in uns wohnt die Seele. Noch niemand hat sie gesehen,
aber jeder weiß, dass es sie gibt. Und jeder weiß auch, was in ihr ist. In der Seele, in ihrer Mitte, steht ein Vogel auf einem Bein. Der Seelenvogel. Und er fühlt alles, was wir fühlen.

Wenn uns jemand verletzt, tobt der Seelenvogel in uns herum; hin und her, nach allen Seiten, und alles tut ihm weh.
Wenn uns jemand lieb hat, macht der Seelenvogel fröhliche Sprünge, kleine, lustige, vorwärts und rückwärts, hin und her.
Wenn jemand unseren Namen ruft, horcht der Seelenvogel auf die Stimme, weil er wissen will, ob sie lieb oder böse klingt.
Wenn jemand böse auf uns ist, macht sich der Seelenvogel ganz klein und ist still und traurig.
Und wenn uns jemand in den Arm nimmt, wird der Seelenvogel in uns größer und größer, bis er uns fast ganz ausfüllt.  So gut geht es ihm dann. Ganz tief in uns ist die Seele.  

Noch niemand hat sie gesehen, aber jeder weiß, dass es sie gibt.
Und noch nie, kein einziges Mal, wurde ein Mensch ohne Seele geboren. Denn die Seele schlüpft in uns, wenn wir geboren werden, und sie verlässt uns nie, keine Sekunde solange wir leben.
So, wie wir auch nicht aufhören zu atmen, von unserer Geburt bis zu unserem Tod.
Manche Leute hören den Seelenvogel oft, manche hören ihn selten. Und manche hören ihn nur einmal in ihrem Leben.
Deshalb ist es gut, wenn wir auf den Seelenvogel horchen, der tief, tief in uns ist.
Vielleicht spät abends, wenn alles still ist.

Michal Snunit